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Wie wird der Winter 2016/2017?
19.11.2016 - Beitrag von F. Abel & O. Behn
 Die Frage stellen sich wohl alle Wetterinteressierten seit ein paar Wochen. Erste Anzeichen gab es ja schon Anfang/Mitte November. Das Laub war noch nicht ganz von den Bäumen und der erste Schnee war da, mit Temperaturen im Dauerfrostbereich (teilweise über 24h). Nicht schlecht, aber für eine Trendprognose muss das 'grosse Ganze' betrachtet werden. Aktuell gibt es extrem wenig Meereis - hat das Folgen für unseren Winter? Schauen wir uns das mal genauer an.
 
Gegenwärtig sollte sich in der Arktis nun wieder Meereis bilden. Doch wächst die Eisbedeckung nur sehr langsam. Der Mangel an polarem Eis ist derzeit weit hinter allem zurück, was seit Aufzeichnungsbeginn beobachtet wurde, und das gilt nicht nur für die Arktis, sondern auch für die Antarktis. Dies bleibt auch nicht ohne Folgen für den Winter in Deutschland. Die Frage ist: Wie könnten diese aussehen?

Die Klimaforschung hat dabei mittlerweile einen starken Verdacht, wenngleich noch keinen wasserdichten Beweis. Bis hierhin: Die Luft über dem Meereis kühlt sich stark ab. Damit gibt es einen großen Temperaturunterschied zwischen den Luftmassen über dem Eis und denen über dem angrenzenden, milderen Meerwasser. Dieser Temperaturunterschied sorgt für einen Wirbel, der um den Nordpol herum in östlicher Richtung weht, den so genannten Polarwirbel.

Ist der Polarwirbel stark genug, so kann er die sehr kalte, polare Luft in seinem Inneren "gefangen halten" - weder kommt die mildere Luft der mittleren Breiten bis zur Arktis voran, noch kommt die polare Kaltluft gut südwärts voran, zum Beispiel in Richtung eurasischem Kontinent. Bei kleinerer Eisfläche ist der Temperaturunterschied kleiner, die Barriere geschwächt. Der Polarwirbel ist schwächer, teils spaltet er sich. Dadurch sind nun Warmluftvorstöße in Richtung Nordpol einerseits und Kaltluftausbrüche von der Arktis nach Süden andererseits möglich. So beobachtete man in der Vergangenheit häufiger ein früheres Einsetzen von Schneefall in Sibirien und nachfolgend ungewöhnliche Kälte.

Erste Anzeichen vorhanden

Und so auch in dieser Saison: Das Kältehoch, das sich derzeit über dem zentralen Asien befindet, ist beeindruckend stark mit einem Luftdruck bis zu 1065 hPa. In seinem Bereich liegt die Temperatur derzeit teils mehr als 15 Grad unter den Durchschnittswerten. So meldete die Wetterstation Rinchinlhumbe in der Mongolei in der Nacht zum Samstag einen Tiefstwert von -42,5 Grad und mehrere Wetterstationen auf der anderen Seite der Grenze hin zu Russland meldeten Minima um -40 Grad.

Dementsprechend baut sich östlich von uns derzeit ein beeindruckender Kälteblock auf. Bei der derzeit geschwächten Westdrift ist die Wahrscheinlichkeit nun erhöht, dass diese schwere und träge Kaltluft sich westwärts in Bewegung setzen kann, und damit erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit für einen kalten Winter in Deutschland. Tatsächlich erinnert die aktuelle Vorgeschichte etwas an das Ende des Jahres 2009, wo die atmosphärische Zirkulation ähnliche Muster aufwies. Und wie einigen vielleicht noch bekannt ist, fiel der Winter 2009/2010 um etwa 1,4 Grad kälter als im Mittel aus.

Fazit: Kann, aber muss nicht

Muss man sich nun auf einen extrem kalten oder extrem milden Winter bei uns einstellen? Von beiden Versionen war ja in den Medien bereits die Rede. Tatsache ist, dass man nach wie vor nicht konkret sagen kann, wie sich der Winter auf lange Sicht weiter entwickelt. Die Wahrscheinlichkeit für einen markanten Kaltlufteinbruch von Osten her ist jedenfalls höher als sonst. Allerdings sollte man auch im Hinterkopf behalten, dass die Wetterlage auch zur Blockierung neigt. Es ist also ebenso denkbar, dass wir uns ständig auf der Vorderseite kräftiger Tiefs vom Atlantik befinden und mit südwestlicher Strömung über längere Zeit ungewöhnlich milde Luft herangeweht bekommen.

Die unwahrscheinlichste aller Varianten ist jedenfalls ein Durchschnittswinter, die wahrscheinlichste ein Winter mit großen Temperaturschwankungen. Ob dieser Winter nun über lange Strecken viel zu kalt oder viel zu mild werden wird, bleibt abzuwarten. Derzeit schlägt das Pendel nach ein oder zwei Mildphasen in diesem Monat eher in Richtung unternormale Temperaturen ab Monatsende. Der Rest ist und bleibt Spekulation.

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