Trockenheit nimmt (k)ein Ende?

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Im heutigen Tagesthema geht es um die aktuelle Situation in Sachen Dürre und die Frage, ob die zukünftige Wetterentwicklung zu einer deutlichen Entspannung führt.

Die seit 2018 anhaltende Dürre in großen Teilen von Deutschland hat sich auch in den vergangenen Wochen fortgesetzt und mancherorts nochmal verschärft. Nicht überraschend wurde diese auch in vorangegangenen Themen des Tages immer wieder thematisiert. Nun, da auch kalendarisch der Herbst heute beginnt und die Aussichten einen wechselhaften Witterungsabschnitt verheißen, stellt sich die Frage, ob diese langanhaltende Dürresituation endlich ein Ende findet.

Bevor es zu den Aussichten geht, aber zunächst ein Blick auf die aktuelle Situation. Schaut man auf den Monat September bis zum 22.09.2019, so erkennt man, dass sowohl am Alpenrand, als auch vom Emsland bis nach Schleswig-Holstein einiges an Niederschlag gefallen ist. Auch vom Vogtland und Erzgebirge nordwärts ausgreifend haben Stauniederschläge durch Tief Hans in der ersten Monatsdekade die Wassertonnen ganz gut füllen können. Im übrigen Land sieht es hingegen sehr mau aus. Gerade in den westlichen und zentralen Landesteilen ist bisher noch nicht viel Niederschlag gefallen. Es gab bis zum gestrigen Tag sogar Stationen, wo es noch so gut wie überhaupt nicht geregnet hat (z.B. zwischen Fränkischer Alb und Steigerwald).

Schaut man auf das Flächenmittel der einzelnen Bundesländer so wird deutlich, dass der September bisher überall unterdurchschnittlich verlaufen ist. So sind in NRW bisher nur 45% des langjährigen Mittels erreicht, in Sachsen sind es 48 % und in Thüringen 51 %. Den Gesamtüberblick erhalten Sie im Internet unter dem heutigen Tagesthema (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2019/9/23_Bild.png).

Geht man noch ein Stück weiter und betrachtet die Statistik für das gesamte Sommerhalbjahr (April bis September) erkennt man schnell, dass sich die Trockenheit durch die ganzen letzten Monate zieht. Selbst in den verhältnismäßig nassen Bundesländern Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg sind bisher erst 82 % der langjährigen Mittelwerte für den Gesamtzeitraum erreicht. In NRW sind es hingegen gerade einmal 59 %. Betrachtet man ganz Deutschland, so fehlen etwas mehr als 25 %, wenn man den Schnitt von 1961 bis 90 zu Grunde legt. Umgerechnet in eine Niederschlagsmenge sind dies knapp 80 l/qm, was in den verbliebenen Tagen bis zum Ende des Sommerhalbjahres kaum noch zu schaffen ist.

Im Vergleich zu 2018 gab es im Flächenschnitt zwar 45 l/qm mehr, die räumlichen Unterschiede sind allerdings recht groß. So ist das Sommerhalbjahr 2019 in Sachsen und im Saarland immer noch trockener und in NRW gleichauf im Vergleich zu 2018. Geht man noch etwas mehr ins Detail sieht man das die Unterschiede zu 2018 vereinzelt noch größer sind. So beispielsweise in Genthin in Sachsen-Anhalt mit bisher 136 l/qm (2018: 223 l/qm), Wuppertal in NRW (bisher 239 l/qm, 2018: 324 l/qm) oder in Essel in Niedersachsen (bisher 166 l/qm, 2018: 218 l/qm)).

Blickt man zu guter Letzt noch auf das Gesamtjahr, so fehlen im Flächenmittel über ganz Deutschland 184 l/qm, die bis Jahresende noch fallen müssen, um das Defizit auszugleichen.

Die Trockenheit, die sich seit August in einigen Regionen nochmals verstärkt hat, zeigt sich natürlich auch direkt in der Natur. So ist die Bodenfeuchte in vielen Regionen sehr niedrig. Bis 40 cm in die Tiefe ist der Erdboden in einigen Regionen nahezu komplett durchgetrocknet, wie man am Beispiel von Dachwig in Thüringen sehen kann. Aber auch sonst zeigt sich abgesehen von Teilen des Südens und Schleswig-Holstein, dass die Dürre tief sitzt. So zeigt der Dürreindex des UFZ beim Blick auf den Gesamtboden bis etwa 1.8 m Tiefe eine außergewöhnliche Dürresituation.

Der fehlende Niederschlag bleibt natürlich auch nicht ohne Folgen für die Flussläufe. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde packt die Niedrigwassersituation an vielen Flüssen in Deutschland wöchentlich in Zahlen. So hat sich die Anzahl der Stationen mit besonders niedrigen Wasserständen im Vergleich zu den Vorwochen deutlich erhöht. Vor allem der Wasserstand der Weser ist deutlich zurückgegangen. Dies ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass es dort keine Stützung mehr durch die Edertalsperre gibt. Insgesamt gesehen, liegen die Wasserstände aber noch etwas oberhalb der Werte im Jahr 2018. Nur in den ostdeutschen Flussläufen bewegt man sich nahe der Rekordwerte.

Nun bleibt noch die Frage: Leitet die Wetterumstellung zum kalendarischen Herbstbeginn tatsächlich einen Wechsel hin zu einer deutlich feuchteren Witterung und damit einer gewissen Entspannung der Dürresituation ein? Dazu sei zunächst einmal ein Blick auf die prognostizierten Niederschlagsmengen der nächsten 10 Tage (bis 03.10.2019) geworfen. Die Prognose stammt vom europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW). Diese zeigt, dass es in der Westhälfte und im Süden in den nächsten Tagen immer wieder Niederschlag gibt, sodass in der Fläche 20 bis 50 l/qm zu erwarten sind, in Staulagen auch mehr. Im Osten werden immerhin noch 10 bis 30 l/qm erwartet

Vom EZMWF gibt es auch Trendprognosen für die folgenden Wochen. Diese gehen bis Mitte Oktober und zeigen nach dem vorübergehenden feuchten Witterungsabschnitt keine besonderen Signale mehr. Das heißt zweierlei: Zum einen ist nach jetzigem Stand nicht davon auszugehen, dass sich eine längerfristige zu feuchte Situation einstellt, welche die Defizite ausgleicht. Anderseits ist aber auch nicht von einer weiteren Verschärfung der Dürresituation auszugehen. Kurzum: Die bevorstehende Wettersituation wird zu einer vorübergehenden Entspannung in Sachen Trockenheit führen. Ob diese dann auch nachhaltig ist, bleibt aber abzuwarten.

Dipl.-Met. Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.09.2019

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