Gewitternachlese

Am gestrigen Mittwochnachmittag zog aus Südwesten eine Kaltfront auf, die sich später am Abend und in der Nacht zum heutigen Donnerstag langsam nach Nordosten verlagerte. An der Kaltfront bildeten sich Schauer und Gewitter, die punktuell stark ausfielen und von Hagel und kräftigem Regen begleitet waren. Weitaus verbreiteter trat jedoch starker Wind auf. Vor allem vom Sauerland bis zum Rhein-Main-Gebiet und nach Unterfranken sorgte eine vorlaufende Böenlinie abseits von Schauern und Gewittern für verbreitet stürmische Böen (Bft 8) bis hin zu einzelnen orkanartigen Böen (Bft 11).

Eine Böenlinie entsteht meist an kräftig ausgeprägten Gewitterzellen oder wenn mehrere Gewitterzellen zu einem Komplex anwachsen (Multizellen). Dabei strömt in den unteren Luftschichten Luft von "vorn", also warme Luft vor dem Gewitter (siehe Grafik zum heutigen Thema des Tages: https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2019/4/25.html), in die Gewitterzelle, steigt auf, kondensiert und es bildet sich Niederschlag. Der ausfallende Niederschlag kühlt die Luft im Gewitter ab und erzeugt so einen beschleunigten Abwind (engl. "Downdraft"). Am Boden kann dieser Wind dann horizontal aus dem Gewitter heraus strömen. Die dabei auftretenden Böen bilden vor dem Gewitter meist eine linienhafte Struktur, man spricht dann von einer Böenlinie. Diese Linie lässt sich im Radar häufig gut erkennen (siehe auch Thema des Tages v. 31.05.2017: https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2017/5/31.html).

Auswahl Windspitzen Mittwochnachmittag/-abend (24.04.2019):

Würzburg (BY): 105 km/h; Düsseldorf (NRW): 98 km/h; Gießen/Wettenberg (HE): 97 km/h; Frankfurt/Main (HE): 94 km/h; Frankenberg-Geismar (HE): 92 km/h; Freudenstadt (BW): 91 km/h; Heilbronn/Neckar (BW): 91 km/h; Freiburg (BW): 90 km/h; Wuppertal (NRW): 88 km/h; Waibstadt (BW): 85 km/h;

Normalerweise ist die Andauer von Windböen an einer Böenlinie recht kurz, selten frischt der Wind länger als 30 Minuten auf. Am gestrigen Abend aber hielt die Böigkeit zum Beispiel im Rhein-Main-Gebiet sogar bis zu 2 Stunden an. Grund dafür war ein starker Luftdruckunterschied, der sich gebildet hatte. Vor der Kaltfront sank der Luftdruck ab und stieg dahinter wieder sprunghaft an. Es entstand somit ein Druckunterschied von bis zu 8 hPa auf einer Distanz von nur 100 km Länge. Der starke Gradient sorgte für kräftigen Wind, der den Luftdruckausgleich herbeiführte, womit anschließend der Wind wieder nachließ.

Die Niederschlagsmengen bei den Schauern und Gewittern lagen meist im mäßigen Bereich, punktuell traten starke Niederschläge auf. Auch kleinkörniger Hagel wurde mancherorts beobachtet.

Regenmengen 1-stündig (>10 mm), Mittwochnachmittag/-abend (Uhrzeit MESZ):

21 Uhr: Reken-Groß Reken (NRW): 20,4 mm; 18 Uhr: Hermeskeil (RLP): 14,6 mm; 20 Uhr: Köln-Bonn (NRW): 14,4 mm; 18 Uhr: Kehl-Odelshofen (BW): 11,5 mm; 20 Uhr: Köln-Stammheim (NRW): 11,1 mm; 18 Uhr: Börfink-Brunnen (RLP): 10,5 mm; 18 Uhr: Dienstweiler (RLP): 10,3 mm; 18 Uhr: Beuren (RLP): 10,1 mm;

Regenmengen 24-stündig bis Donnerstagfrüh (25.04.2019, 8 Uhr MESZ):

Hermeskeil (RLP): 30 mm; Börfink-Thranenweier (RLP): 28 mm; Beuren, Kreis Trier-Saarburg (RLP): 26 mm; Wittlich (RLP): 25 mm; Neunkirchen-Wellesweiler (SL): 24 mm; Tholey (SL): 24 mm; Saarbrücken-Ensheim (SL): 23 mm; Leiwen (RLP): 22 mm; Köln-Bonn (NRW): 21 mm; Deuselbach (RLP): 21 mm;

Am heutigen Donnerstag gibt es im Westen etwas Regen, im Südwesten können im Tagesverlauf wieder einzelne Gewitter auftreten. Dabei sind lokal erneut Starkregen und stürmische Böen möglich. Am Freitag ist dann das Risiko von Gewittern mit Starkregen und Sturmböen im Osten und Nordosten erhöht.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.04.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst