Wintersonnenwende

Eine Sonnenwende findet zweimal im Jahr statt. Dabei erreicht die Sonne einmal ihren nördlichsten (Sommer) und einmal ihren südlichsten (Winter) Punkt der Erde und somit einmal den höchsten und einmal den niedrigsten mittäglichen Stand über unserem Horizont. Am 21.12.2018 steht die Sonne gegen 23:22 Uhr über dem südlichen Wendekreis. Diese späte Sonnenwende, gegen Mitternacht zwischen dem 21. und 22.12., erklärt auch, warum es sowohl am Freitag als auch am Samstag die kürzeste lichte Tagesdauer des Jahres mit beispielsweise im Raum Frankfurt am Main nur 8 Stunden 3 Minuten und 25 Sekunden gibt. Die Wende der Sonne gegen Mitternacht bedeutet gleiche Tageslichtlängen an beiden Tagen. Zu den mittäglichen Höchstständen der Sonne kommt es an beiden Tagen im Rhein-Main-Gebiet gegen 12:23 Uhr.

Wer jetzt denkt, dass am Freitag und Samstag auch der späteste Sonnenaufgang und der früheste Sonnenuntergang des Jahres sind, der irrt sich. Tatsächlich werden seit einigen Tagen die lichten Abende wieder länger. Zwar verschiebt sich die Dämmerung täglich nur um eine halbe Minute nach hinten, aber seit dem 14.12. gewinnen wir abends wieder etwas mehr Licht. Dafür wird es am Morgen später hell. Dies wird sich auch erst im neuen Jahr ändern, dann geht die Sonne langsam wieder eher auf. Der späteste Sonnenaufgang findet in diesem Winter am 01.01.2019 statt. Wie können nun trotz späterem Sonnenuntergang der 21. und der 22.12. die kürzesten lichten Tage des Jahres sein? Die Verzögerung des Sonnenaufgangs ist zur Wintersonnenwende größer als die Verzögerung des Sonnenuntergangs und so überholt die längere Dunkelheit am Morgen die längere Helligkeit am Abend und ergeben damit die kürzesten lichten Tage des Jahres. In Frankfurt am Main beispielsweise geht die Sonne um 8:21 Uhr auf und um 16:25 Uhr unter. Dies bedeutet eine lichte Tageslänge von 8 Stunden 3 Minuten und 25 Sekunden.

Nach der Sonnenwende kehrt sich das oben beschriebene Verhältnis um und die Verzögerung des Sonnenuntergangs am Abend erhöht sich. Statt einer halben Minute verlängert sich die lichte Tageslänge täglich um etwa eine ganze Minute. Die tägliche Verschiebung des Sonnenaufgangs wird jedoch kürzer. Bis zur Jahreswende, und somit dem spätestens Sonnenaufgang des Jahres, geht die Sonne jeden Tag um weniger als eine halbe Minute später auf. Die Verzögerung des Sonnenuntergangs ist also größer als die Verzögerung des Sonnenaufgangs und die lichten Tage werden allmählich länger. Da es sich zunächst dabei täglich nur um eine Verlängerung der Tageshelligkeit von etwa 30 Sekunden handelt, fällt das kaum jemandem auf. Ab etwa Mitte des Monats Januar kann man aber schon eine deutliche Verlängerung der Tageshelligkeit feststellen, dann ist es nämlich wieder eine halbe Stunde länger hell als zur Zeit.

Längeres Tageslicht bedeutet aber nicht gleich, dass es auch wärmer wird. Der Hochwinter steht uns erst noch bevor. Das liegt an der thermischen Trägheit des Klimasystems der Erde. Vor allem die mittleren und höheren nördlichen geografischen Breiten können noch nicht von der sich langsam verlängernden Sonneneinstrahlung profitieren. Der Energieverlust durch die langwellige Ausstrahlung überwiegt nämlich noch den Energiegewinn durch die Sonneneinstrahlung.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Deutscher Wetterdienst
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Offenbach, den 20.12.2018

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