Bergfest

Seit Tagen erleben wir ein tägliches Auf- und Ab der Temperaturen. Deutschlandweit lagen die Mitteltemperaturen seit Montag zwischen 4 und null Grad. Nach einem Minimum heute und morgen geht es ab kommender Woche wieder deutlich bergauf. Dieses hin und her der Temperaturen zeichnet sich auch deutlich ab, wenn man sich die winterlichen Tagesmittel seit 1960 betrachtet, die in der anhängenden Abbildung zu sehen sind.

Und damit kommen wir zum Bergfest, welches eigentlich Talfest heißen müsste. Von den mittleren Temperaturen her haben wir in dieser Woche im größten Teil Deutschlands das Jahresminimum erreicht. Nahezu geichzeitig ist auch erste Hälfte des Winters ist nicht nur kalendarisch vorbei. Es beginnt also der zweite Teil des Winters und die halbjährige Phase der Abkühlung ist auch vorbei.

Deutschlandweit ist der 18.Januar mit -0,53°C der kälteste Tag des Jahres. Auch in Düsseldorf (1,57°C), Hamburg (0,64°C) und Frankfurt (0,52°C) finden wir ihn am 18. Januar. In München ist es am 17.01. mit -2,57°C am kältesten. Rostock und Berlin haben ihr Minimum bereits am 05.01. (0,41°C) bzw. 07.01. (-0,24°C)

Vom Sonnenstand her wäre das Minimum eigentlich eher an Weihnachten nach der Wintersonnenwende zu erwarten. Aber die Sonne, die der Erde die Wärme liefert, ist nicht der einzige Komponente, die die Temperatur beeinflusst. Deutschland liegt in einem weitgehend maritimen, also vom Meer beeinflussten Klima. Es dämpft und verzögert die Temperaturextreme. Die unser Wetter beeinflussende Nordsee und das Mittelmeer sind Ende Januar bzw. Anfang Februar am kältesten. Die überwiegend von dort kommenden Luftmassen haben daher in diesem Zeitraum die tiefsten Temperaturen. Demgegenüber verlängert sich die Sonnenscheindauer seit dem astronomischen Winterbeginn bis zum 15.01 zwischen 37 Minuten im Norden und 26 Minuten im Süden und damit wird nicht nur die Sonnenscheindauer länger, sondern auch die Dauer der nächtlichen Ausstrahlung (Abkühlung) entsprechend kürzer.

In Bezug auf die Temperatur "kämpfen" also im Januar das sich weiter abkühlende Meer gegen die wieder steigende Sonne. Zum Monatsende hin, wenn die Sonne im Norden schon 90 Minuten, im Süden 65 Minuten länger als zur Sonnenwende scheint, geht es in Deutschland überall, außer auf der wasserumspülten Hochseeinsel Helgoland, mit den mittleren Temperaturen sichtbar bergauf.

Wer nun beglückt die täglich wärmer werdenden Mitteltemperaturen genießen will, dem muss leider gesagt werden, dass Mitteltemperaturen über den Einzelfall nur wenig Auskunft geben. Die oben erwähnten -0,53 Grad Mittelwert in Deutschland ergeben sich aus Mittelwerten im Bereich zwischen -12,7 und 5,5°C. "Fühlbar" wärmer wird es erst Ende Februar, wenn die Temperaturen pro Woche im Mittel um ein bis zwei Grad steigen.

Die Grafik des winterlichen Temperaturverlaufs zeigt der Übersichtlichkeit wegen außer dem deutschlandweiten Mittel nur das in der winterwärmsten Zone Deutschlands liegende Düsseldorf und den kalten Bereich repräsentierende München. Die anderen Orte haben alle einen ähnlichen Temperaturverlauf. Außer dem Minimum Mitte Januar lassen sich die bekannten Singularitäten herauslesen: Im Dezember das Weihnachtstauwetter und im Februar die Unterbrechung des Mitte Januar beginnenden Temperaturanstiegs. Es ist der bekannte Spätwinter, der in den Medien auch gerne als Russenpeitsche bezeichnet wird.

Dipl.-Met. Christoph Hartmann

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.01.2018

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