Tief ALFRED nah am Wasser gebaut

Natürlich ist auch am heutigen Mittwoch die Dauerregensituation meteorologisch DAS Thema des Tages. Schließlich sind in den vergangenen 48 Stunden durch Tief ALFRED wirklich bemerkenswerte Niederschlagsmengen zusammen gekommen. Und die Situation hält, zumindest in den östlichen und südöstlichen Landesteilen, noch bis in die Frühstunden des morgigen Donnerstags an. Erst dann werden die letzten Regengebiete von Tief ALFRED nach Osten abgezogen sein. Das heißt übrigens nicht, dass es dann insgesamt trocken bleibt. Aber die Niederschlagsmengen pendeln sich wieder auf einem für mitteleuropäische Sommer "normalen" Niveau ein.

Heute ist es jedoch die Pflicht des Chronisten, darüber zu berichten, wie sich der Regen in den vergangenen zwei Tagen aufsummiert hat. In vielen Regionen Deutschlands wurden Regenmengen zwischen 50 und 80 mm (Liter pro Quadratmeter) gemessen. Besonders betroffen war ein Streifen vom südlichen Niedersachsen über Teile Thüringens und Hessens bis in den Norden Bayerns (siehe Grafik, linkes Bild). Dort sind recht verbreitet mehr als 100 mm von den Messtöpfen aufgefangen worden, so zum Beispiel im thüringischen Helbedündorf 134 mm und in Hessisch-Lichtenau 111 mm.

Spitzenreiter ist (abgesehen von den Bergstationen, speziell dem Brocken) aber Hahausen bei Seesen, eine Gemeinde im Landkreis Goslar am Nordwestrand des Harzes. In 48 Stunden sind dort 171 mm gemessen worden, im benachbarten Seesen 161 mm (siehe Grafik). Um diesen Wert einordnen zu können, muss man einen Blick in die Klimadaten der Region werfen. Dabei stellt man fest, dass in einem "normalen" Juli dort etwa 100 mm Regen zu erwarten sind - insgesamt. Diese Menge ist also um die Hälfte übertroffen worden, und das in zwei Tagen.

Rückt man die Klimatologie in den Vordergrund, so ist auch die südöstliche Harzseite sehr interessant. Diese ist nämlich in der Regel recht trocken, da sie im Windschatten des Harzes liegt und sich die Wolken oft schon abgeregnet haben, wenn sie dort ankommen. So fallen in Artern an der Unstrut in einem durchschnittlichen Juli etwa 70 mm Niederschlag. Die aktuelle Dauerregensituation brachte 115 mm. Und davon fielen in den drei Stunden von Dienstag 02 Uhr MESZ bis 05 Uhr MESZ atemberaubende 72 (!!!!) mm.

Richtet man den Blick nach vorn, so stellt sich natürlich die Frage, was noch zu erwarten ist von ALFRED, dem Tief, das eindeutig "zu nah am Wasser gebaut" ist? Und da gibt es gute Nachrichten: Das Ende der Dauerregenlage zeichnet sich ab. Von der Ostsee bis zu den Alpen regnet es heute noch verbreitet, die Nacht wird auch von Vorpommern bis zum Osterzgebirge und in Südostbayern noch nass (siehe Grafik, rechtes Bild). Morgen früh sollten die Regenwolken von Tief ALFRED dann aber weitgehend abgezogen sein.

P.S.: Für alle, die sich auch für die Folgen des Regens, sprich die Hochwassersituation interessieren, hier der Link zu den Hochwasserzentralen: http://www.hochwasserzentralen.de/

Dipl.-Met. Martin Jonas

Deutscher Wetterdienst

Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.07.2017

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